Was ich beim Malen über Resilienz gelernt habe

Im Oktober 2019 war ich für ein paar Tage in West Cork in Irland und habe zusammen mit 15 Frauen aus unterschiedlichen Ländern an einem Workshop mit der französischen Künstlerin Edwige Fouvry teilgenommen. Edwige hat einen sehr intuitiven Malstil, was meiner Art zu malen sehr entgegen kommt. Der Workshop war großartig und das nicht nur, weil wir an einem wunderschönen Ort mit toller Unterkunft, Verpflegung und jeder Menge Inspiration malen durften, sondern auch weil er mich daran erinnert hat, was und wie viel ich beim Malen über Resilienz gelernt habe.

Resilient zu sein bedeutet, auch Rückschläge einstecken zu können und trotzdem optimistisch nach vorne zu schauen und sich dabei eine Lösung zu erarbeiten. Im Grunde passiert genau das während des Malprozesses. Du hast eine Idee und musst für Dich einen Weg finden, sie so umzusetzen, dass sie Dir und dem, was Du ausdrücken möchtest, entspricht.

Viele Künstler fahren wegen des besonderen Lichts nach Irland zum Malen
Inchydoney Beach, West Cork
Der Wild Atlantic Way bietet viel Inspiration
Courtmacsherry, West Cork

Wahrnehmen, was da ist

Gerade bei der intuitiven, abstrakten Landschaftsmalerei ist der erste Schritt, hinzusehen und wahrzunehmen, was da ist. Wie wirkt die Landschaft auf Dich? Was macht sie mit Dir? Du stellst eine Verbindung zwischen Dir und der Landschaft her und nimmst sie mit allen Sinnen auf Deine einzigartige Weise wahr. Für jeden Betrachter ist etwas anderes bedeutungsvoll. Für den einen ist das Licht wichtig, nicht so sehr die Details. Für den anderen sind es die Strukturen und Formen der Felsen oder die Häuser am Strand. Für den nächsten ist es das Wasser, der Himmel oder eine bestimmte Wolke. Wenn Du fühlst, was für Dich von Bedeutung ist, beginnst Du zu skizzieren. Das funktioniert am besten, wenn Du wirklich im Hier und Jetzt bist und so kommst Du auch bei Dir selbst an und wirst gewissermaßen Teil der Landschaft.

Struktur schaffen

Den nächsten Schritt habe ich in der Vergangenheit oft vernachlässigt und mich deshalb im Bild verloren. Durch das grobe Skizzieren der Linien schaffst Du Dir eine Grundlage, zu der Du später immer wieder zurückkehren kannst und die quasi das „Gefäß“ ist, in das Deine Intuition hineinfließen kann. So wie in anderen Lebensbereichen, ist auch beim Malen die Struktur eine wichtige Orientierungshilfe.

 

Wie viel Struktur Du brauchst, ist eine Typfrage. Manchen Künstlern reicht es, einfach ein paar ungefähre Linien auf das Papier zu werfen und dann loszulegen. Vielleicht brauchst Du aber auch einen bestimmten Malort, eine bestimmte Methode, eine strukturierte Anordung Deiner Werkzeuge oder ein gewisses Zeitfenster pro Tag oder pro Woche. Experimentiere ruhig damit und Du wirst sehen, wie sich dadurch Deine Ergebnisse verändern.

Fokus finden

Im nächsten Schritt legst Du fest, worauf Du den Blick des Betrachters lenken willst. Was möchtest Du betonen? Hier ist quasi Deine Schnittstelle zwischen Absicht und Intuition. Denn das „Wo“ ist Deine Absicht, aber das „Wie“ wird von Deiner Intuition bestimmt. Auch in anderen Lebensbereichen hilft Dir das Fokussieren, wenn Du aus Deiner inneren Mitte gefallen bist. Fokussieren schafft Stabilität und Klarheit.

Kleine Veränderung – große Wirkung

Edwige hat einen sehr geschulten Blick, wo kleine Veränderungen eine deutliche Verbesserung des Bildes bzw. seiner Wirkung herbeiführen können. Ich fand es sehr spannend, ihre Vorschläge gleich auszuprobieren und somit unmittelbar zu erleben, wie sich das Bild dadurch zum Positiven verändert. Auch beim angewandten Resilienztraining wirst Du feststellen, dass schon die Veränderung kleiner Gewohnheiten Deine Perspektive verändern und dadurch auch kleine Schritte eine große Wirkung haben können. Oft sind wir zu sehr in unserer eigenen Perspektive verhaftet. Wir merken, dass etwas so nicht stimmig ist, wissen aber nicht, was die Alternative sein könnte. Dann kann ein Impuls von außen durchaus hilfreich sein.

Verbindung schaffen

Eine harmonische Bildkomposition ist wie ein vollständiges Puzzle, bei dem nichts mehr fehlt. Wenn man es anschaut, fühlt man einfach, dass alles stimmig ist. Die Linien, die Farben, der Ausgleich von Ruhe und Bewegung. So wie bei einem Menschen, der in seine Mitte findet und in sich ruht.

 

Im Bild schaffst Du durch Wiederholung von Farben oder Formen Verbindung.

Durchhaltevermögen und Intuition

Malen erfordert Durchhaltevermögen. Jeder, der es schon einmal versucht hat, weiß das. Nicht immer gelingt es auf Anhieb, auf das Bild zu transportieren, was man ausdrücken möchte. Manchmal bedarf es mehrerer Anläufe und da gilt es, Frustphasen zu überwinden, einen neuen Anlauf zu nehmen und zu vertrauen, dass es beim nächsten Mal besser klappt. Auch Mut gehört dazu: Mut, einen vorwitzigen Strich zu ziehen oder einen Bereich komplett zu übermalen. Mut, es auch mal zu übertreiben und vielleicht von vorne anfangen zu müssen. Das ist der Punkt, wo es hilfreich sein kann, zu seiner Grundstruktur zurückzukehren. Genau da ist die Schnittstelle zum Resilienztraining. Auch hier ist es sinnvoll, ein Grundgerüst zu haben: einen persönlichen Methodenkoffer, der Dir hilft, wieder auf Kurs zu kommen, wenn Du aus der Bahn gefallen bist. Z. B. eine für Dich hilfreiche Entspannungsmethode, eine Übung aus dem Mentaltraining, die Dir hilft, wieder die richtige Perspektive zu finden und eine Art der Bewegung, die Dir gut tut, sei es Wandern, Yoga, Tai Chi oder Radfahren. Und natürlich das Bewusstsein und die Intuition, was Du gerade am meisten brauchst. Und schon sind wir wieder beim Malen: Auch hier sagt Dir Deine Intuition, was das Bild braucht und ermutigt Dich, dem Flow zu folgen.

Selbstfürsorge

Wie in allen anderen Lebensbereichen, spielt auch beim Malen die Selbstfürsorge eine wichtige Rolle. Der Malprozess kostet Kraft – sowohl körperlich als auch mental – und Pausen sind genauso wichtig wie das Malen selbst. Wenn Du vom Bild zurücktrittst, wechselst Du die Perspektive und kannst so besser erkennen, ob Deinem Bild vielleicht noch der letzte Schliff fehlt. Wenn Du ganz von der Leinwand weggehst, um mit einer Tasse Kaffee im Garten zu sitzen oder einen Spaziergang zu machen, füllst Du den kreativen Tank wieder auf. Auch das ist Teil des Malens. Während des gesamten Malprozesses lernst Du, was Du gerade brauchst und Du wirst feststellen, dass es insgesamt viel besser läuft, wenn Du diesen Eingebungen folgst.

Vielleicht geht es Dir ja so ähnlich wie mir: Wenn ich ein Bild zu Ende gemalt habe, bin ich stets aufs Neue überrascht, wie sehr ich beim Malen die Welt um mich herum vergessen habe, weil ich so in meinem Tun versunken war.

 

Du siehst also: Malen ist gelebtes Resilienztraining. Wenn Du es ausprobieren möchtest, komm gerne in einen meiner Workshops. Hier geht es zu meinen Angeboten.

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